Herren und Namen

(verfasst von Hesindian)

Meine lieben Studiosi, im Rahmen der heutigen Veranstaltung zum Thema „Hexalogie der Elemente“ will ich Euch mit der Geschichte vertraut machen, als ich im sagenumwobenen Tal der Elemente meinen Wahren Namen erfuhren durfte!

Wie ich bereits erwähnte haben meine damaligen Gefährten und Freunde sich auf einen waghalsigen, gefährlichen und ganz und gar nicht nachvollziehbaren Handel mit dem „Bund der Schatten“ eingelassen. Zu diesem Zeitpunkt war mir in jungen Jahren noch nicht bewusst, welche große Hilfe sie uns zu späteren Zeitpunkten noch sein würden. Ich war nicht so liberal wie heute müsst ihr wissen. Aber nun zur Geschichte…

Mit der sogenannten durthanischen Sphäre, einer Kristallkugel von vier Schritt Durchmesser, gelang ich, nachdem ich mich von meinen Gefährten trennte, in die Academia Arcomagica Scholaque Arcania Puniniensis. Dort wurde ich von der Spektabilität und Convocata prima der Grauen Gilde, Prishya Garlischgrötz von Grangor begrüßt, instuiert und mit Pferd und Proviant ausgestattet. Sie erzählte mir damals, dass Tarlisin von Borbra, welchen ihr mit Sicherheit aus den Erzählungen des Barden Kyrillion von Gareth kennt, an meine Heimatakademie, die Kaiserlich Garethische Lehranstalt der Magie wider Geister und trans-sphärische Wesenheiten zu Perricum überwiesen wurde.

RUHE!

Wie ich schon mehrfach erwähnte steht diese Akademie in engem Kontakt zu den Noioniten, einem Orden des Herrn Boron, welcher sich auf die Heilung der Krankheiten des Geistes spezialisierte. Wer kann mir sagen warum Tarlisin dort untergebracht wurde? Ganz genau! Von Borbarad besessen zu sein und an eben diesen seinen Schatten zu verlieren hinterlässt tiefe Narben im Geist eines Mannes, zudem war Tarlisin von Borbra auch nicht gerade unbelastet – ich erinnere an das erwähnte Tsa-Wunder, welches seine Seele von einem widerwertigen asfalothischen Pakte befreite. Halten wir also fest: Tarlisin von Borbra wurde zur besonderen Fürsorge und Beobachtung nach Perricum gebracht.

Nach etwas Magiephilosophie und einigen Disputen über die Magica Temporalia machte ich mich dann auf in den Finsterkamm. Dafür wählte ich die Route über Greifenfurt, die mir als die schnellste erschien, leider stand mir die durathische Sphäre nicht weiter zur Verfügung. Nach nur 25 Tagen erreichte ich die Ruinen des Klosters Arras de Mott. Das Wehrkloster war komplett zerstört. Als ich so jung war wie ihr, liebe Studiosi interessierte ich mich trotz meines Standes sehr für den Herrn Praios und seine Ansichten über die Magie, daher war mir dieser Ort aus Büchern wohlbekannt. Doch nichts war wie beschrieben. Ich erinnere mich noch an den Bergfried, welcher völlig verkohlt war, ebenso fehlten die oberen drei Stockwerke des Baus. Im Hof des Klosters konnte ich etwa 20 Gräber entdecken – Boron hab sie seelig. Fast alle waren zusätzlich zum Boron-Rad mit kleinen hölzernen Sonnen geziert, schließlich war dies mal ein Kloster des heiligen Ordens der Hüter.

Besonders einprägend war eine kleine Holztafel, in die folgender Spruch auf Bosparan eingeschnitzt wurde:

Mögen diese ersten Opfer des Dämonenmeisters in Frieden ruhen, hat ihr Opfer doch dem Licht den Sieg ermöglicht. Lux Triumphat!

Ucurian Jago am 19. Rondra 1017 BF

Eine groß angelegte magische Examinatio offenbarte mir, dass hier unglaubliche Astrale Macht freigesetzt wurde. Auch kreuzen sich am Orte des Klosters fünf uns heute bekannte Kraftlinien… kein guter Ort für ein Praios-Kloster möchte man meinen Nachdem ich die Ergebnisse der magischen Examino festgehalten hatte beschloss ich weiterzuziehen.

Auf der Suche nach dem Tal der Elemente ließ ich mich von meiner Intuition und dem Schlangenreif von Eschin vom Quell leiten. Seit dem Zwischenfall in der Akademie von Rashdul, welcher sich später als Pakt mit den Elementen herausstellte, nehme ich die Welt anders war, besonder Orte mit starker elementarer Manifestation ziehen mich gerade zu an. So wurde ich an den Fuß eines Berges geführt, dessen schneebedeckte Spitze in der Herbstsonne golden schimmerte. Der Schlangenreif nannte den Berg die „Goldspitze“.

zu diesem Zeitpunkt reckt Hesindian seine linke Hand in die Luft

Ich fand einen Höhleneingang, meiner Meinung nach an einer sehr offensichtlichen Stelle, wurde mir doch vorher berichtet, dass das Tal der Elemente schwer zu finden sei, war ich doch etwas verwundert. Ich schob es auf meine neu erworbene Intuition – jedenfalls musste ich nicht einmal danach suchen. Der Eingang war wie von Meisterhand abgestützt mit Säulen aus Felsgestein. Keine Säule glich der anderen und die geometrischen Verzierungen waren zwar einfach aber ohne Makel.

Die Höhle selbst bestand aus fünf aufeinander folgenden Kammern, die jeweils eines der Elemente widerspiegeln. Ignis, Ore, Aqua, Humus und Caeli. Sofort fiel mir auf, das hier bewusst auf das Element Glacies verzichtet wurde. In jeder Höhle stand ein Obelisk mit dem entsprechenden Symbol des Elements und eine weitere magische Examinatio offenbarte mir, dass dort Fallen aktiv waren… dennoch war ich mir sicher, dass mir eben diese Fallen kein Leid zufügen würden. Ich sendete ein kurzes Gebet an die Herrin Hesinde, nahm all meinen Mut zusammen und schritt einfach hindurch… unbeschadet.

Als ich die letzte Kammer verließ, wehte mir ein warmer Sommerwind um die Nase und die Sonne stand hoch am Himmel.

Plötzlich bemerkte ich einen flachen, unregelmäßig geformten Splitter eines Onyx in meiner Hand. Der Stein prickelte leicht magisch. Kein Vergleich zu der unendlichen Macht der Elemente, der ich zu diesem Zeitpunkt ausgesetzt war. Ich spürte jeden Stein unter meinen Füßen, der Wind war warm und zerzauselte mein Haar.

Ich stand in einem Talkessel, umringt von Berghängen, die bis in die Wolken ragten. In der Mitte des Tales war ein dichter Wald aber als ich näher kam fiel mir umgehend auf, dass kein Blätterrauschen zu hören war obwohl der Wind kräftig wehte.

Dieser Wald war komplett versteinert, jeder Baum und jeder Strauch zu Stein erstarrt. Als ich mir vorsichtig einen Weg durch das Unterholz bahnte, wobei meine Kleidung mehrfach von den versteinerten Blättern aufgeschnitten wurde, kam ich auf eine Lichtung auf der der gewaltige, zu schwarzem Basalt erstarrte Leib eines 20 Schritt langen Kaiserdrachen zu erkennen war. Seine ganze Haltung mit zornig aufgeblähten Nüstern wirkte abwehrbereit und die glutrot schimmernden Augen machen nicht den Eindruck, als ob sich der Drache seinem Schicksal ergeben hätte. Um den Hals des Lindwurms sah ich ein dickes Halsband aus Zwergengold, welches mit verschnörkelten Runen und Zeichen der fünf Elemente, wieder wurde Glacies ausgelassen,  versehen wurde.

Als ich mit dem Schlangenreif einen Blick auf diese Statue warf, brachen 4.000 Jahre Erinnerungen und angestaute Wut über mich herein.

Ich sah Bilder von Bekragor, wie er sich mit Pyrdacor trifft und Pläne zur Vernichtung der Geoden geschmiedet werden. Dann Bilder vom Angriff auf das Tal, das die Quelle der Macht der Geoden auf Dere ist. Den Schmerz als eine Steinhand den Drachen vom Himmel holte und er durch das Halsband zur ewigen Wacht über das Tal verdammt wurde. Als dieser durch einen weißbärtigen Mann zusammen mit dem Wald versteinert wurde staute sich eine unglaubliche Wut an, die sich nie mehr entladen konnte, bis dieser naive junge Weißmagier das Tal betrat…

Weitere Visionen. Ich beobachtete wie dieser bärtige Mann mehreren Heshtotim befahl einen der Bäume zu fällen….dann brach es ab, als ich deine ganze Konzentration aufbieten musste um mein Bewusstsein nicht komplett an den Drachen zu verlieren.

Als ich mich losgerissen hatte spürte ich die Nähe zum  im Tal vorhandenen Erz besonders stark, wie in Trance wanderte ich zu dem Baumstumpf, wo einst eine gewaltige Blutulme gestanden haben musste. Der Stumpf war gesplittert wie Glas und um ihn herum sah ich den verätzten Boden, der nur von vielen getöteten Dämonen stammen konnte. Der steinerne Wald hatte sich offenbar gewehrt. Ich schloss ein weiteres mal die Augen und als ich sie wieder öffnete stand dort ein Mann, der aus reinem Silber zu bestehen schien. Er sprach zu mir, seine Worte brannten sich in meinen Geist, er begrüßte mich mit meinem Wahren Namen und sprach:

Sei gegrüßt … Geboren in Fleisch, getauft in Erz. Gekommen um Rache zu nehmen für den Frevel an unserer Heimat, deiner und meiner. Hab Geduld, deine Zeit wird kommen. (Er deutete auf den Onyxsplitter in meiner Hand). Geduld wird Geborstenes heilen und dann wird genügend Sand vom Frevler abgetragen sein, dass er nur noch so groß ist wie ein jeder von uns.

Er führte mich zu einem Steinkreis mit 77 Steinen, in der Mitte fünf gewaltige Steine, unbeweglich selbst für Zauberhand. Jeder trug ein Symbol eines Elements, außer Glacies natürlich. Später war mir bewusst, dass es sich um einen Elementarherren gehandelt haben musste. Er ging zu dem Stein, der ein einfaches Quadrat trug und legte seine Hand daran. Erst die Hand und dann der ganze Körper verwandeln sich von Silber in Gold. Ich legte meine Hand ebenfalls an den Stein und in dem Moment durchflutete mich ein Gefühl der Ruhe und Gelassenheit, eine Akzeptanz meines Erbes. Und auch meine Hand verwandelt sich in Gold, nicht glänzend wie bei dem Elementarherren sondern matt, wie ein Schmuckstück, dass Jahrhunderte im Sand gelegen hat.

Ich sah mich um und erblickte die Herren der anderen Elemente. Ein riesiger Wolf aus Blättern und Borke, ein Drache aus flüssigem Feuer, eine Gazelle geformt aus einem Wind von Rosenblättern und eine Meerjungfrau aus türkisblauem Wasser. Jeder berührt seinen Stein und ich fühlte mich gestärkt, wie noch nie zuvor  in meinem Leben… Eine Heimat, ein Zuhause.

Dann stand ich wieder am Eingang vor der Goldspitze und beobachte den sanften Fall des ersten Schnees.

Viele Stunden verbrachte ich an dieser Stelle und sann über das nach, was mit mir geschehen war… ich hatte mächtige Verbündete gefunden, mein Blick auf die Welt und die Menschen veränderte sich… meine Gedanken waren klar und geordnet: Dem Schänder der Elemente musste Einhalt geboten werden, die Herren der Elemente sind im Aufruhr und ich … bin ihr Paladin.

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