Der Fall des Unbesiegbaren

(verfasst von Edo)

Die Worte des Lichtvogels, angerufen von den sechs Spektabilitäten, beschäftigen uns noch eine ganze Weile im Konzil der Elemente. Was genau meint er mit dieser Zeitenwende?

Taon berichtet uns von einer Stimme in seinem Kopf, die ihn aufgefordert haben soll einen weiteren Weg zu beschreiten. Und angeblich habe er sich für den Weg des Rudels entschieden. Sind wir das etwa?

Nach einigen Tagen erreicht uns die Nachricht von Aria Kagossa, überbracht durch einen Luftdschinn: Sie und die Armee von König Brin sind eingekesselt und werden belagert. Die Hilfe der Gezeichneten wird dringend erbeten, da die Lage nicht gut aussehe. Der Dschinn erwähnt, dass auch ein Bär dabei sei und dass er und seine Dschinngefährten uns dorthin fliegen sollen. Wir bereiten uns kurz vor und brechen dann auf, um dem Hilferuf zu folgen.

Kurz nachdem wir in den Armen der Dschinns durch die Lüfte des Raschdulswall getragen werden, bemerken wir, dass Häscher am Fuß der steilen Steintreppe, wohl angesetzt auf das kleine Mädchen, getötet worden sind. Offensichtlich war Verian dafür verantwortlich. Dass bei all seiner Boshaftigkeit ihm doch noch etwas an seiner Verwandschaft liegt, wundert mich ein wenig.  Eine Bestattung der Söldner macht hier wenig Sinn, so dass Taon die Opfer kurzerhand dekapitiert, um eine Erhebung der Toten zuvor zu kommen. Uns fällt noch auf, dass die Giftmischerin nicht unter den Toten war.

Wir setzen unseren Flug fort und erreichen nach einer ganzen Tagesreise in der Nacht vom 23. auf den 24. Praios eine Ebene, in der sich nach und nach die offenen Feuerstellen der beteiligten Armeen offenbaren. Südlich eines Flusses ist ein großes Heer eingeschlossen von einem noch größeren Heer. Zwischen den etwa 500 Schritt voneinander stehenden Heeren stehen brennende Boronsräder, eine bekannte Einschüchterungstaktik von Helme Haffax wie mir Marike mitteilt. Über der Ebene kreisen in etwa 100 Schritt Höhe überwiegend reiterlose Karakilim, diese schlangenähnlichen Flugdämonen, denen wir nicht zum ersten Mal begegnen.
Hesindian betrachtet im Anflug die Sterne, denn diese verheißen nichts Gutes: Eine blutige, unkontrollierbare Situation steht bevor. Eine von solchem Ausmaße, dass die Luft erfüllt ist von einer bedrohlichen Schwere, die die Herbeirufung von Dämonen ein leichtes macht.

Mit Erkhabans Hilfe kann ich Hunderte von Untoten und dämonische Wesen im Lager derjenigen erkennen, die das Heer von König Brin umstellt haben. Wahrlich keine gute Ausgangssituation, besonders da jegliche Deckungs- oder Befestigungsmöglichkeiten fehlen.
Nördlich des Flusses lagert eine weitere Armee, unter denen ich keine astrale Kraft fest stellen kann, aber wer weiß welche Borbaradianer sich dort verstecken, die rein durch ihre Lebenskraft Magie wirken.
Im Fluss ist eine kleine Insel, die eine Stadt beherbergt. Allerdings ist diese komplett dunkel. Zu beiden Seiten des Flussufers führt je eine Holzbrücke.
Etwa eine Meile westwärts überbrückt den 200 Schritt breiten Fluss eine mächtige, 50 Schritt breite, Steinbrücke.

Wir landen im Lager der Eingeschlossenen und werden freudig empfangen. Zum Glück hat sich nicht der Glaube breit gemacht, alle Schlachten wo die Gezeichneten auftauchen, gingen verloren.
Die Soldaten sehen sehr abgemagert aus. Lange halten sie wohl nicht mehr durch. Im Lager treffen wir im Heerlager auf König Brin, das Schwert der Schwerter, den Heerführer Reichserzmarschall Leomar vom Berg und – wer hätte es gedacht – Waldemar von Weiden, den Bären, selbst.
Uns wird berichtet, dass die Belagerung nun schon 3 Tage andauert. Die Stadt wirke verlassen, aber man geht davon aus, dass die Holzbrücke jederzeit vom Feind vernichtet werden könne. Wahrscheinlich steht die Stadt unter der Kontrolle des nördlichen Heeres, den Bornländern. Man geht davon aus, dass der Feind noch vor dem Morgengrauen angreifen wird und möchte ihm nun zuvor kommen. Ich frage mich, warum man nicht schon einen der vergangen drei Tage genutzt hatte um bei Tage zu kämpfen und damit dem Feind die Möglichkeiten zu nehmen seine Untoten einzusetzen. Aber gut, ich kenne mich mit Kriegsstrategien nicht aus.

Wir, die Gezeichneten, werden gebeten die gegnerischen Geschütze zu vernichten, wenn man versucht die Steinbrücke einzunehmen und zu überqueren. Man erwartet, dass die Katapulte im östlichen Bereich positioniert werden und bewacht sind. Als Begleitschutz stellt man uns 20 Schützen zur Seite.
Die Vinsalter Vaganten, angeführt von einem alten Bekannten, Emilio di Calotta, und die Dukatengarde sollen heimlich die Stadt einnehmen und dem Nordheer in den Rücken fallen, sobald sie sich zur Verteidigung der Steinbrücke auf diese zu bewegen.

So machen wir uns auf und schlagen uns zum Katapulthügel durch. Dort erwarten uns eine Hand voll Belzhorash Dämonen die klauenbewehrt und voll tropfender, säureähnlicher Substanz sind. Außerdem ein Wesen, was die Katapultgeschosse scheinbar mühelos magisch anzündet und ein Dämon, den ich schwer beschreiben kann. Er bietet einen verzerrten Anblick und ich möchte mich ihm nicht nähern. Hesindian verrät mir später, dass es ein Toz’rhul’golin sei, ein Dämon aus der Domäne des Amazeroth, dem Gegenspieler von Hesinde.
Ich schicke lieber meine beiden Luftelementare vor, die sich nicht von seltsamen Anblicken beeinflussen lassen und schieße aus der Ferne auf die Säurekreaturen.

Nach einiger Zeit haben wir die Gegner besiegt und auch das verzerrte aussehende, spiegelnde Wesen fällt schließlich durch das Nandusschwert von Hesindian. Wir übergießen die Katapulte mit dem mitgebrachten Öl und Zunder und lassen sie brennen. Kaum haben wir das getan nähern sich von hinten eine Gruppe großer Gestalten. Es sind Orks und Oger, sowie ein Orkschamane. Die Oger scheinen Marike so in den Kampfgeist zu bringen, dass sie sich wieder in einen Leviathan verwandelt.
Der Schamane fängt an zu singen, aber mein Pfeil verhindert sein magisches Wirken. Er stürmt nun auf mich zu, aber ein weiterer Pfeil und eine von der Seite heranfliegende Axt Alessas lassen ihn kurz vor meinen Füßen zu Boden sinken.
Die restlichen Gegner sind Marike, Taon und Hesindian zum Opfer geworden und Marike labt sich am Herzen des Oger. Ich weiß immer noch nicht ganz, was ich davon halten soll.

Kaum sind sie besiegt, schlägt in etwa 100 Schritt ein violetter Blitz in den Boden. In der erhellten Nacht sehen wir einen buckligen Mann stehen. Einen, den wir zu gut kennen: Es ist Xeraan. Als wir auf ihn zulaufen um ein Ritual zu verhindern, bemerken wir vier Kinder und etwa 10 Söldner im Ritualkreis. Der Anblick von Marike scheint einige der Söldnern in Angst zu versetzen.
Die Kinder jedoch scheinen dämonisch verändert zu sein. Trotzdem halten wir ihnen stand.
Xeraan scheint stark gerüstet zu sein. Mein Kurzbogen kann ihm nichts anhaben. Jedoch kann er Hesindians Paralys nicht widerstehen und wird versteinert. Tigerähnliche Fratzen in Nebeln am Himmel schauen zu uns hinunter, können aber nicht in unsere Welt. Scheinbar wollte Xeraan eine Pforte in den Limbus öffnen, um dort angesammelte Dämonen hierher zu bringen.
Irgendwie schafft es Xeraan sich aus seinem Paralys kurz zu lösen und verschwindet mit einem Zauber. Wieder einmal mehr haben wir seine Pläne durchkreuzt. Und wir werden es solange tun, bis er nicht mehr ist.

Noch während meine Gefährten im Kampf verwickelt und damit abgelenkt sind, höre ich ein Schreien und Jaulen, laute Fußtritte, die in einem Wald im Westen Bäume zum Umfallen bringen. Ich ahne und spüre etwas Großes, etwas durch und durch Böses und Übles.
Langsam löst sich eine zweibeinige Gestalt von den Bäumen und ich sehe etwas, was ich nur auf unseren Reisen einmal in einem Buch überflogen habe: Eine baumhohe, behaarte, zweibeinige, pelzige Gestalt mit einem sechsgehörnten Stierschädel, über und über bedeckt mit Stacheln. Das muss er sein, der oberste Diener Belhalars: Karmoth, der Vernichter. Man sagt er tauche immer dann auf dem Schlachtfeld auf, wenn die besonders blutig und opferreich sei. Gegen ein solch mächtiges Wesen haben wir keine Aussichten auf Erfolg.

Er bewegt sich langsam auf die Schlachtreihen zu. Er metzelt sich mit seinen Äxten in seinen vier Armen durch die Reihen, macht keinen Unterschied zwischen den Heeren. Er ruft laut „Hier ist Karmoth, Gladiator des Belhalar, ich bin unbesiegt. Bleibt stehen und kämpft gegen mich!“. Scheinbar willenlos bewegen sich die Soldaten der Heere auf ihn zu und werden von ihm zerfetzt.

Der Blick des Karmoth richtet sich auf das Banner der Rondrakirche und er pflügt sich dorthin vor. Auch die bornländische Armee sieht das Gemetzel und flieht vor dem Karmoth.
Am Banner stellt sich das Schwert der Schwerter dem Dämon und schafft es diesen ernsthaft an der Hand zu verletzen, bevor ein mächtiger Schlag sie erneut aus unserem Blickfeld schleudert. Marike will in ihrer Rondrianischen Einstellung schon Richtung Dämon laufen, aber Hesindian friert sie mit einem Kältezauber ein. Er behauptet, er hätte Vorkehrungen gegen jedes Zeichen getroffen….

Es scheint schon alles verloren, doch wer stellt sich da dem Dämon in den Weg? „Komm her du Dämon, ich geb dir jetzt richtig eins aufs Maul!“ brüllt der Bär dem Karmoth entgegen. Und wahrlich schlägt er sich gut im Kampf, doch die mächtigen Schläge des Karmoth zehren an seiner Ausdauer, so dass ihn irgendwann eine Axt tief in seinen Oberkörper trifft und er zu Boden geht. Der stolze und ehrvolle Bär hebt seine Hand Richtung Marike und ein letztes Mal trifft sein Blick fast väterlich ihre Augen um ihr zu sagen: Das Erbe des Bären lebt in dir weiter.

Da rennt plötzlich Taon los und trennt sich uns, seinem Rudel! Er läuft Richtung Karmoth. Kurz darauf ertönt Hufgetrappel aus unserem Rücken und eine Kavallerie, angeführt von einer blonden Kriegerin auf einem schwarzen Pferd reitet heran. Die Anführerin trägt eine Rüstung mit Schwanenflügeln auf ihrem Rücken und ihre Reiter schwere, silbern glänzende Rüstungen. In ihrer Hand, ein Säbel, den einst die Königin getragen hat und der nun erneuert wurde. Sie ruft: „Karmoth! Die Herrin wird dich strafen, niemand entkommt ihrem Zorn!“ Es ist die neue und verschollen geglaubte Amazonenkönigin Gilia.

Doch noch steht Taon dem Karmoth alleine gegenüber. Auch wenn er sich abfällig geäußert hat, kann ich als Gezeichneter nicht einen anderen Gezeichneten einem Dämon überlassen. Mein Bogen schafft es unmöglich alleine einen Pfeil bis zu dem Karmoth in zwei Meilen Entfernung zu schießen. Doch habe ich mich nicht schon lange nicht nur Sumus Hilfe bedient? Auch die Magiekunde der Achaz und ein Chimärologe haben mich schon oft genug unterstützt. So rufe ich Phex an, dass er einen der Mondpfeile weiter fliegen lassen solle als jeden anderen Pfeil und ihn auf den leiten möge, der sich nur nimmt ohne zu geben.
Und tatsächlich fliegt der Pfeil wie von Zauberhand bis zum Karmoth und sticht im in die Schulter, so dass dieser eine Axt fallen lassen muss. Taon kann sich halten bis die Amazonenkönigin bei dem Dämon ist und ihm eine Lanze durch die Wade bohrt. Marikes Erstarrung ist abgefallen und auch sie stürzt sich in den Kampf. Eine einmalige Chance sehend, die Gezeichneten mit einem Erfolg davon kommen zu lassen, überlasse ich Erkhaban meine verbleibende astrale Kraft und bitte ihn mitzuhelfen. Ich spüre wie er sich zusätzlich die Hälfte meiner Lebenskraft nimmt und plötzlich brennt sich ein Strahl durch die Nacht quer über das Schlachtfeld bis hin zum Karmoth.
Dann verhallt der Karmoth. Der unbesiegbare ist durch die Hand der Amazonenkönigin und mit Hilfe der Gezeichneten besiegt worden und das erste Licht des Morgengrauens erhebt sich über den Horizont.

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