Die Hexe und der Holzschnitzer

(verfasst von Kyrillion)

Es ist Ende Rondra und ich habe Verian in Baliho wieder getroffen. Nach dem Bericht im Boten wollte ich doch dort mal nach dem Rechten schauen. Verian hat sich seit unserem letzten Abenteuer verändert. Eine Narbe ziert sein Gesicht und dort wo sein linkes Auge hätte sein sollen ziert eine Augenklappe sein Antlitz. Seine Nichte hat er nicht bei sich, aber ich möchte ihn auch nicht gleich danach Fragen, scheint der Schrecken noch nicht ganz verarbeitet zu sein. Wir haben beide eine Nachricht von Otep bekommen, dass jemand wichtiges in seiner Teestube abgestiegen wäre. Wir beschließen der Teestube einen kurzen Besuch abzustatten. Für einen längeren Aufenthalt dort reichen unser beider Nerven nicht aus. Otep erzählt uns ein paar Silberstücken und einem Bronzering später, dass die wichtige Person eine Waldläuferin, welche mit Taons Vater in Verbindung stehen soll, weiter nach Espen gereist ist. Ich steige zu Verian aufs Pferd und wir machen uns sofort auf den Weg.

Espen ist nicht sonderlich groß, es scheint nur eine Taverne zu geben: den „Dreckigen Becher“. Zeitgleich mit uns trifft auch eine Kutsche ein, dessen Kutscher sich als Boril vorstellt. Er scheint zu der Waldläuferin zu gehören und will wie Verian und ich nicht auf offener Straße über den Grund der Reise sprechen. Wir machen vor der Taverne halt und es steigen zwei Frauen aus. Eine sehr Hübsche in braunen Fellen gekleidete Frau scheint die Waldläuferin zu sein der wir hinterhergereist sind. Die andere ist eine muskulöse Frau mit blonden Haaren die unter dem Wappen des Bären hier zu sein scheint. Zumindest prangt es von Ihrer Rüstung.

Der „dreckige Becher“ hält was sein Name verspricht. Neben der Theke existiert nur ein Tisch mit ein paar Stühlen. Der Rest der Einrichtung besteht aus Kisten auf die man sich drauf setzten könnte. Der Boden ist mit Sand eingestreut und der Geruch sucht seinen Oger. Ein „Gast“ oder auch Teil der Einrichtung wie mir scheint steht schlafend an der Theke und macht durch leichtes Grunzen auf sich aufmerksam; ein Grabsegen ist wohl noch zu früh. Das Bier ist eine Mischung aus Malzbrei und Brackwasser und der Schnaps riecht schon so streng als könne er einem ein Loch in sein Kettenhemd brennen.

Wir setzen uns an den einzigen Tisch und stellen uns erst einmal vor. Die Waldläuferin stellt sich als Firunia vor. Der Name kommt mir bekannt vor und dann fällt der Kreuzer. Dies muss Taons Mutter sein. Alle Anzeichen sprechen dafür, damit haben wir neben seinem Vater nun auch mal seine Mutter getroffen. Schade dass er nicht hier sein kann, dies wäre ein bestimmt interessantes Treffen geworden von welchem ich hätte berichten können. Die blonde Frau heißt Alrike und ist eine Gardistin aus dem Gefoge von Waldemar von Weiden, der die beiden mit dem wehrhaft aussehenden Boril ausgesandt hat. Auch wenn die Gruppe noch etwas an uns zu zweifeln scheint, akzeptieren sie, dass wir in diesem Ort die wohl fähigste Verstärkung sind.

Nun erfahren wir erste Details über ihren Auftrag hier. Laris Holzschnitter ist verschwunden. Er sei meisterlich begabt in der Herstellung von Holzfiguren. Da dieses Talent sich auch in den eingetrieben Steuern niederschlägt ist Grund genug, dass vom Herzog persönlich eine Untersuchung angestellt wird. Als der Wirt unser Essen bringt, in Fett frittiertes Brot mit Hartwurst, erfahren wir von ihm, dass die Vögtin in dem Dorf Falgard von Eichenbach ist, aber der Rinderbaron „Gero Heulbrink“ hier das Sagen hat. Bei diesem scheint Laris auch Spielschulden zu haben. Laris hat auch noch seinen Sohn Sven, der seit dem Verschwinden von Laris im Noioniten Kloster untergebracht ist. Er wurde Blutüberströmt mit einer Holzpuppe im Arm in der Hütte von Laris gefunden.

Ohne etwas zu Essen machen wir uns nun zu fünft auf zur Vögtin. Wir melden uns offiziell an und holen uns die Erlaubnis ein uns im Haus von Laris einmal umzusehen. Als es auf Gero zu sprechen kommt, stockt die Vögtin und legt somit die Machtverhältnisse in Espen beeindruckend dar.

Wir verlieren keine Zeit und statten Laris Haus einen Besuch ab. Verian schaut sich das Schloss an, ob Einbruchspuren zu finden sind und bricht dann das Siegel der Vögtin. Das Innere ist karg eingerichtet. Ein großes Bett, ein Tisch, zwei Stühle und eine Feuerstelle sind alles. Alles aus Holz in dem Raum ist handwerklich meisterhaft gefertigt und überall verziert. Laris scheint sich alles selber gebaut zu haben. Auf dem Boden ist ein großer eingetrockneter Blutfleck zu sehen. Der Fleck und die Blutspritzer scheinen durch den Einsatz einer stumpfen Waffe hervorgerufen zu sein, bemerkt Boril an dieser Stelle. Verian geht einem Geräusch vor der Tür nach und wir übrigen erkunden die Werkstatt. Diese ist beeindruckend. Nicht weil er so gut ausgestattet ist, lediglich 5 profane Schnitzmesser scheint er zu besitzen, sondern weil sich uns hervorragende Figuren zeigen. Jede von Ihnen gleicht einem Meisterstück und flößt mir als Instrumentenbauer Ehrfurcht ein. Beim genaueren durchsuchen finde ich eine kindlich gezeichnete Karte, die zu einem Versteck führt und Firunia findet sein Rechnungsbuch. Er scheint seit einiger Zeit öfters mit Begleitschutz zu verreisen.

Als nächstes suchen wir das Kloster auf um nach dem Jungen zu sehen. Es ist ein sehr düsterer Ort. Ein langer spärlich beleuchteter Gang führt gerade aus und Links sowie Rechts sind verschlossene Türen in der Wand. Verian fühlt sich sichtlich unwohl und der Anblick vom kleinen Sven scheint ihn wohl an seine Nichte zu erinnern. Er wartet vor Svens Zimmer. Alrike bekommt Zugang zu dem Jungen und er öffnet sich ein wenig. Viel bekommen wir nicht aus ihm heraus. Er scheint aber sehr überfordert mit der Situation zu sein und lässt die Puppe, die er an sich presst, nicht von sich. Diese Puppe ist sehr unheimlich; ist sie doch ein nahezu perfektes Abbild seiner selbst und schaut grimmig drein. Welcher begnadete Künstler macht so eine Puppe für seinen Sohn? Auch die Dienerinnen im Kloster weisen drauf hin, dass er die Puppe nicht von sich gibt und sie sie ihm nicht wegnehmen konnten. Von der Größe her kommt die Puppe allerdings als Mordwaffe in Betracht wenn wir die entsprechende Leiche zu dem Fleck in Laris Haus finden sollten.

Ich muss geistig kurz weggetreten sein, finden wir uns doch wieder im „dreckigen Becher“ wieder. Beim Anblick der Taverne hätte ich der Etikette ade gesagt und wäre zum Rinderbaron gegangen für die Nacht. Aber gut, das Klientel und der orkische Duft flüstern mir ein ich solle doch nochmal spazieren gehen. Espen bei Nacht wird sicherlich etwas zu bieten haben, nämlich frische Luft. Promt werde ich verfolgt, aber so offensichtlich da hätte mich derjenige auch gleich begleiten können. Ich mache mir einen Spaß aus dem ganzen und schaue mir ein Haus an welches so gar nichts mit unserem Auftrag zu tun hat und schreibe in Ur-Tulamidia ein Wort in die Erde. Da hat er erstmal dran zu knobeln.

Wieder in der Taverne stelle ich mich zu Alrike und Firunia an die Theke und lasse mit etwas zu Essen und Wasser bringen. Verian nimmt noch fleißig die örtlichen Bauernschläger beim Würfeln aus und wir planen in der Nacht unbemerkt der gefunden Karte aus Laris Hütte zu folgen. Der Schlafsaal entpuppt sich als Heudachboden, der über dem Schanksaal, welcher nur über eine wackelige Leiter zu erreichen ist. Oben gibt es drei Schlafmöglichkeiten, kalt aber geruchsneutral. Wir haben unseren Ausflug gerade geplant, da ertönt unten ein Radau. Verian scheint ausersehen auf einen der Trunkenbolde getreten zu sein und nimmt zur Beruhigung die Vordertür. Nachdem sich die Aufregung gelegt hat und das Zetern dem Schnarchen gewichen ist, klettern wir aus dem Fenster in den Stall. Dort wartet Verian schon auf uns. Etwas trampelig ist er geworden auf seinen Altersschub. Wir wollen von Laris Hütte aus starten um der Karte so genau wie möglich folgen zu können. Dort scheint der Pöbel wache zu halten und unterhält sich nicht gerade leise. Die Rede ist von zwei Brüdern, die auch nach Laris suchen aber noch nicht wieder zurück seien. Der große Stein ist schnell Gefunden der Weg durch den Wald auch, nun müssen wir aber erstmal über den Bach.

Verian stimmt an, dass springen des Weisen rat sein müsse und nimmt Anlauf. Doch bleibt er im Sprung mit seinem Rapier an einem Ast hängen. Darauf dreht er sich in der Luft verliert an Schwung und prüft erst einmal die Wassertemperatur. Nachdem Firunia und Alrike ihn wieder am Ufer haben packt Verian der Ehrgeiz und er springt erneut. Diesmal schafft er es über den Bach. Boril hat in der Zeit eine Fackel angemacht und wir finden eine Stelle die flacher ist um trockenen Fußes rüber zu kommen. Zum Glück, denn dies ist keine Nacht um nass durch den Wald zu wandern.

Nach diesem Scharmützel erreichen wir eine Lichtung auf der der einzige Laubbaum in diesem Wald ist. Wir haben das Versteck erreicht. Doch wir haben die Mitte der Lichtung noch nicht erreicht, da fängt der Baum an nach uns zu schlagen. Ich kann gerade noch ausweichen und Rette mich wieder in den Wald hinein. Firunia ruft uns zu, dass wir es mit einem Baumwesen zu tun haben. Verian und Ich lenken den Baum ab damit die übrigen Drei zum Versteck sprinten können. Das Manöver funktioniert doch kurz nach Erreichen des Baumes gehen Boril und Alrike in die Offensive während Firunia sich aus der Reichweite der Äste bringt. Vereint degradieren wir den Schratähnlichen zum Bonsai und finden unter seinen Wurzeln auch zwei Leichen. Da haben sie wohl nicht das gefunden, was sie sich erhofft haben. Firunia zeigt uns noch einen Stein mit einer eingeritzten Sonne, welchen sie in der Erden gefunden hat. Dies wirft eher Fragen auf als es uns Antworten liefert. Wir sinnieren gerade noch über das Vorgefundene, da kommt ein kahler glatzköpfiger Rabe angeflogen und setzt sich auf einen Ast. Dies ist der erste Rabe oder gar Vogel den ich ohne Federn habe fliegen sehen. Dann fängt das Teufelsvieh auch noch an zu sprechen und verflucht den armen Verian. Es scheint eine Art Platzverbot zu sein. Kein guter Tag für Verian, neben den Missgeschicken in der Taverne und am Fluss kommt nun auch das noch mit dazu.

Wieder im Schlafsaal der Taverne finden wir dennoch etwas Schlaf bevor wir nochmal zu Sven gehen. Vielleicht kann der kleine uns doch noch weiterhelfen. Weil es beim ersten Mal so gut geklappt hat, redet Alrike wieder mit Sven. Er lässt sie auch die Puppe anfassen. Sie scheint in der Tat für den Tod von Laris verantwortlich zu sein. Sven erzählt auch, dass die Puppe seinen Vater gehauen hätte und dass er sich immer versteckt hat, wenn die bösen Männer kamen um mit Laris zu reden. Ein Versteck hatten wir aber nicht gefunden als wir in der Hütte waren. Also wieder zur Hütte hin. Es scheinen auch andere die Idee gehabt zu haben denn das Haus ist durchsucht worden. Die Spuren im Staub von den verrückten Möbeln sind eindeutig. Das Versteck ist aber nicht in sondern auf der Hütte. Auf dem Dach gibt es eine Luke, die einen sicheren Sitz auf ermöglicht damit der Junge nicht runterfallen kann. Dort finden wir auch eine Nachricht auf einen Zettel:

 

„Ruine hinter Sumpf →Firun

Magisches Wesen, Schutzkreis durchbrochen

→Hexenfluch?“

 

Firunia kann uns den Weg in den Sumpf weisen. Schon praktisch eine Waldläuferin dabei zu haben. Da kann sich Taon noch was abschauen. Der Sumpf umgibt etwas Nebel und das Schmatzen der einzelnen Sumpflöcher lässt uns jedes Mal erschaudern. Nach einer Weile kommen wir zu einer gemauerten Wand in deren Fenster im ersten Stock eine Kerze leuchtet. Dies muss die Ruine sein. Doch wie zum Namenlosen kommt man da rauf um die Kerze aufzustellen und anzuzünden?

Um die Mauer findet sich noch eine alte Feuerstelle und ich finde ein Holzschild. Dies muss Laris gehört haben so fein wie es gearbeitet ist. Auch die kindliche Zeichnung einer Burgmauer auf dem Schild spricht dafür, dass Sven auf Laris Schild gezeichnet hat. Plötzlich ertönt ein schrilles Lachen und eine Gestalt in einem schwarzen Umhang aus dem knochige verwesende Gliedmaßen rausragen. Leben kann dieses Wesen nicht mehr. Dennoch spricht es und ruft uns zu, dass der Holzschnitzer ihrer sei und sie ihn noch brauche um die Menschheit zu vernichten. Aus dem Moor erhebt sich eine Leiche und schlurft auf uns zu. „Rettet mich, ich will nicht…“ ruft die Leiche immer wieder. Mit Schrecken stellen wir fest, dass es sich um Laris handelt, der unter der Kontrolle dieser vermutlich untoten Hexe zu stehen scheint. Diese ruft „Radau“ und der Schild ist erfüllt von Eigenleben und schlägt nach mir. Boril kann mit seiner Peitsche die verfluchte Hexe zu Boden zwingen und mit vereinten Kräften hat sie uns nichts entgegenzusetzen. Mit dem Tod der Hexe fällt auch die Kontrolle von Laris Leib ab und er fällt leblos in sich zusammen. Wer auch immer die Hexe kontrolliert hat und welches Ziel sie auch verfolgt haben mag, wieder einmal konnten wir dem Bösen eine Kerbe in seine üblen Pläne schlagen.

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